50 Jahre Troisdorf - Stolz auf unsere Stadt: Zwei Krankenhäuse...
50 Jahre Troisdorf - Stolz auf unsere Stadt: Zwei Krankenhäuser - ein Ziel Rathaus der Stadt Troisdorf Kölner Straße 176

50 Jahre Troisdorf - Stolz auf unsere Stadt: Zwei Krankenhäuser - ein Ziel

Zeitzeugen-Interview mit Karl Gessmann

Die städtische Pressestelle veröffentlicht im Rahmen des Jubiläums 50 Jahre Troisdorf nach der Kommunalen Neuordnung 1969 in loser Folge Interviews zu Entwicklungen in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen unserer Stadt.

Heute: Die beiden Troisdorfer Krankenhäuser, ein Interview mit Karl Gessmann (67).

Gessmann war von 1984 bis 2015 Verwaltungsdirektor des St. Josef Hospitals in Troisdorf. Er hat Betriebswirtschaftslehre studiert und begann mit Mitte 20 beim Diözesan Caritas Verband Köln im neu eingerichteten Referat für Betriebswirtschaft in Krankenhäusern. Dazu gehörte auch die Beratung der Ordenshäuser, in denen damals die Kostenrechnung eingeführt wurde.

Die Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe GFO, heute größter Arbeitgeber in Troisdorf, ist Träger der beiden Krankenhäuser und anderer Einrichtungen. Heutiger Verwaltungsdirektor beider Troisdorfer GFO Krankenhäuser ist Bertin Blömer.

Herr Gessmann, in Troisdorf gibt es zwei Krankenhäuser und damit eine besonders gute Versorgung. Wie kamen Sie hierher?

Ich wechselte 1984 in das Troisdorfer Krankenhaus, hospitierte zunächst im Sieglarer St. Johannes Krankenhaus beim damaligen Verwaltungsleiter Josef Dinkelbach. Das kollegiale Miteinander möchte ich an dieser Stelle besonders erwähnen. 1977 war das Sieglarer Krankenhaus von der Rathausstraße, wo heute das Curanum Seniorenzentrum ist, in die Dechant-Wirtz-Straße gezogen. Samstags im weißen Kittel hat mir Dinkelbach das Krankenhaus gezeigt und erklärt. Zwar gab es unter den Häusern ein Konkurrenzdenken, doch in den medizinischen Schwerpunkten hat man sich abgestimmt. So kam die Schlaganfallstation nach Sieglar und die Onkologie nach Troisdorf.

Sie waren ja zunächst für die Beratung der Krankenhäuser und die Berechnung und Verhandlung der Pflegesätze zuständig. Wie lief das ab?

Früher war vieles einfacher und für die Krankenhäuser wurden tagesgleiche Pflegesätze verhandelt. Heute werden von Medizincontrollern die Diagnosen verschlüsselt. Abgerechnet wird mit der für alle Krankenhäuser geltenden Fallpauschale gemessen am Schweregrad der Erkrankung des Patienten. Somit werden in der Verwaltung eines Krankenhauses heute Ärzte und Pflegefachkräfte für die Diagnoseverschlüsselung beschäftigt.

Wie begann Ihre Arbeit im St. Josef Hospital?

Der Grundstein für das St. Josef Hospital wurde 1975 gelegt, das war die letzte Förderung aus Landesmitteln vor dem Krankenhausbaustopp.

Ursprünglich sollte das Johannes Krankenhaus Sieglar erweitert werden, stattdessen wurde St. Josef  neu gebaut. Dafür waren 67 Millionen DM geplant und so wurde der Neubau auch abgerechnet. Dank der Sachkunde von Sr. Amata gab es keine Baukostenüberschreitung.

Am 5. März 1979 war die Einweihung, ein klassenloses Krankenhaus mit Zweibettzimmern als Regelleistung. Die Pflegesatzverhandlungen für solch ein neues Krankenhauskonzept gestalteten sich schwierig, konnten aber mit den Krankenkassen erfolgreich abgeschlossen werden.

Wie wurde das Krankenhaus eingerichtet und welche Abteilungen gab es?

Durch die Krankenhausbedarfsplanung erhielt das Haus überregionale Fachabteilungen wie Orthopädie und Urologie. Ursprünglich war die Urologie nicht vorgesehen, wurde dann aber doch nach der Schließung des Kalker Krankenhauses nach Troisdorf verlagert. Diese Fachabteilung brachte man in die Räume der Krankenhauskapelle des Neubaus unter. Wie man heute sehen kann, gab es eine gute bauliche Alternative zur ursprünglich geplanten Kapelle.

Die heutige Kapelle wurde zum größten Teil aus Eigenmitteln des Trägers finanziert. In der heutigen Palliativstation lebten bis 2006 die Ordensschwestern. Bis in den 50ger Jahren versorgten bis zu 45 Ordensschwestern die Troisdorfer Patienten. Die letzte Troisdorfer Ordensschwester, Schwester Edelburg aus der Küche, verstarb im Alter von 89 Jahren im Juni 2018 im Altenheim Oberpleis.

Das Hospital hat 180 Patientenzimmer mit 360 Betten. Die Belegung hat sich mit den Jahren rasant erhöht. Außerdem wurden die OP-Säle erweitert. Die Architekten hatten dafür eine intelligente Lösung. Die OPs legte man wabenförmig an, was einen optimalen Arbeitsablauf ermöglicht. Die  Abteilung wurde 2006 grundsaniert und ein 5. OP Saal angebaut.

Die Geburtshilfe ist mit ihren über 1.000 Entbindungen im Jahr ein weiteres positives Zeichen für die Kompetenz des Krankenhauses. Während in den umliegenden Städten diese Abteilungen in den vergangen Jahren geschlossen wurden, konnte auch das Sieglarer Krankenhaus seit 1983 diese Abteilung weiter entwickeln und für beide Häuser mit insgesamt über 2.500 Entbindungen pro Jahr eine Schwerpunktversorgung für den rechten Rhein-Sieg-Kreis aufbauen. Als eines von 50 Brustzentren in NRW ergänzt die Gynäkologie dieses Angebot.

An welches Ereignis aus den vielen Jahren können Sie sich noch besonders lebhaft erinnern?

Im Jahr 1997 gab es einen großen Wasserrohrbruch. Wir standen vor der Evakuierung des Hauses. Die Heizungsanlage und die Stromversorgung fielen aus – und das am Wochenende. Feuerwehr und engagierte Helfer zeigten erheblichen Einsatz. Aus Schweden wurden dann am Samstag neue Heizbrenner eingeflogen und die vorsorglich verteilten Wärmedecken konnten wieder eingesammelt werden.

Ach ja, ich erinnere mich noch an einen eher amüsanten Vorfall: Schwester Amata kannte das Haus in- und auswendig. Sie war immer hundertprozentig informiert. Für ihre Mittagspausen hatten sich die Haustechniker auf dem Krankenhausdach mit Sonnenliegen und Sonnenschirm einen Dachgarten angelegt. Durch Luftbildaufnahmen des Krankenhauses aus dem Jahr 1981 flog das Geheimnis des Dachgartens auf. Das war nicht im Sinne von Sr. Amata und so mussten sich die Mitarbeiter von Ihrer Pausenoase trennen.

Der bauliche und technische Zustand des Hauses ist auf dem neuesten Stand. Aktuell wurden die Ambulanz und der Aufnahmebereich erneuert. Lediglich die Patientenzimmer besitzen noch den Charme der 70 Jahre, hier gibt es aktuell Überlegungen zur Neugestaltung.

Die GFO hat in Troisdorf nicht nur zwei Krankenhäuser, Hospiz St. Klara und St. Franziskus Seniorenzentrum, sondern auch noch eine große Apotheke.

1988 haben wir die Apotheke aus dem Krankenhausaltbau ausgelagert in das Versorgungszentrum an der Luxemburger Straße.  Medikamente und Verbrauchsmaterial werden von hier aus im Modulsystem für jede Pflegestation verpackt und zugestellt. Versorgt werden so alle Krankenhäuser der GFO mit ihren 3.500 Betten.

Am gleichen Standort befindet sich auch die Zentralsterilisation, quasi die Spülmaschine der OPs. Das sind Reinigungsverfahren auf höchstem hygienischem Niveau. Eine eigene Fachärztin für Krankenhaushygiene überwacht nicht nur diese Einrichtung, sondern auch mit ihren 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die übrigen Häuser.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung des Troisdorfer Krankenhauses seit den 70ern?

Ja, das Haus wurde immer anerkannt und von der Bevölkerung gut angenommen. Besonders am Herzen lagen mir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses, denn sie sind diejenigen, die die Qualität der Versorgung abbilden. Froh war ich immer über das gute und herzliche Miteinander.

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