Maschinenbau Kitz und Corona – Hoffnungsträger „cleanstage“
Maschinenbau Kitz und Corona – Hoffnungsträger „cleanstage“ pro Troisdorf e.V. – Der Unternehmer-Club Lechfeld 1

Maschinenbau Kitz und Corona – Hoffnungsträger „cleanstage“

Meldung vom 11.08.2020

Mit Christian Seigerschmidt, Vorstandsvorsitzender des Unternehmer-Clubs pro Troisdorf, und dem Troisdorfer Journalisten Carsten Seim sprach Stephan Kitz über Auswirkungen der Corona-Krise und Bewältigungsstrategien.

Stephan Kitz ist Geschäftsführender Gesellschafter der mk Technology Group. Die Unternehmensgruppe engagiert sich in der Profiltechnik, der Fördertechnik sowie in Systemlösungen für die Fabrikautomation. Sie beschäftigt im Stammhaus in Troisdorf-Bergheim (Maschinenbau Kitz GmbH) rund 200 Menschen und erwirtschaftet mit 490 Mitarbeitern an allen Standorten in Deutschland, Österreich, Schweiz, Niederlande, Spanien und USA einen Jahresumsatz von 73 Millionen Euro. Der Unternehmensverbund hat eine Hygieneschleusen-Lösung entwickelt, die bei nationalen und internationalen Großereignissen Furore machen könnte. Der Name des Projektes: „cleanstage“. Einen Prototypen gibt es bereits.

Herr Kitz, wann hat Sie die Corona-Krise Sie erreicht?

Mit Corona waren wir im bereits im März konfrontiert: Eine Mitarbeiterin kehrte aus dem Skiurlaub zurück und musste sich für zwei Wochen wegen Corona in Quarantäne begeben. Sie hatte Corona-Symptome, wenn auch nur leichte. Wir haben im Unternehmen einen Corona-Krisenstab eingerichtet. Für jede Niederlassung gibt es einen Ansprechpartner. Dieser Stab legt für die gesamte Gruppe fest, nach welchen Hygiene-Regeln wir arbeiten. So gibt es beispielsweise strikte personelle Trennungen für bestimmte Gebäude- und Produktionsbereiche.

Wie hat sich Ihre Auftragslage in den Krisenmonaten entwickelt?

Im März, April und Mai hatten wir zunächst kaum Veränderungen gegenüber dem Vorjahr gespürt. Die Ursache dafür war eine Sonderkonjunktur. Diese wurde verursacht durch die in Deutschland massiv in Angriff genommene Produktion von Gesichtsmasken. Diese führte zu einer hohen Nachfrage nach Förderanlagen, die wir herstellen. Wir haben solche Komponenten beispielsweise der Firma Reifenhäuser zugeliefert, die ihre Produktion von Meltblown-Vlies sowie Meltblown-Anlagen massiv ausgeweitet hat. Diese Sonderkonjunktur ist nun abgeflaut. Im  Mai und Juni sind unsere Auftragseingänge um zehn bis 15 Prozent zurückgegangen. Interessenten für Investitionsgüter wie zum Beispiel Sondermaschinen sind aktuell sehr zurückhaltend.

Können Sie etwas zu Einzelsektoren aus Ihrem Kundenportfolio sagen?

Unser Lieferprogramm war bis dato zu fast 70 Prozent von Produkten für den Automotive-Sektor geprägt. Dieser Anteil ist im ersten Halbjahr auf rund 45 bis 50  Prozent gesunken. Das liegt aber nicht nur an der Corona-Krise. Denn bereits zu Jahresbeginn waren die Bestellungen aus der Autoindustrie, die mitten im Umstellungsprozess von Verbrennern zur E-Mobilität steckt, gesunken. Wir hatten deshalb in der gesamten Firmengruppe Produktionsrückgänge. Aber wir haben auch neue Arbeitsfelder gewinnen können – zum Beispiel im Bereich des „Urban Farming“. Wir arbeiten hier eng mit dem Forschungszentrum Jülich zusammen. Mit unseren Komponenten statten wir Gewächshäuser aus, in denen zum Beispiel die industrielle Wirkstoffproduktion erforscht wird.

Sie haben einen Standort in Saragossa/Spanien, der für Europa produziert. Wie war die Lage dort?

Spanien hatte einen Total-Lockdown. Unsere rund 40 Mitarbeiter dort sind außer zum Arbeiten in acht Wochen nicht vor die Türen ihrer Wohnungen gekommen.

Und Ihr Standort Amerika?

Da läuft es sehr gut! Die Verkaufszahlen sind voll im Plan. Wir haben dort übrigens noch keinen Covid 19-Fall gehabt. Über das Geschehen in allen Standorten der mk-Group werde ich über ein wöchentliches Cockpit informiert.

Hatten Sie Probleme mit Lieferketten?

Es gab auch Lieferkettenprobleme. Unser Motorenzulieferer für die Förderbänder, mit Produktion im Corona-Hotspot Elsass, hatten komplette Werksschließungen zu verkraften. Diese Zulieferer-Probleme haben wir durch Gespräche mit unseren Kunden gut beherrschen können. Einige von ihnen waren ganz froh, die Lieferung eines bestellten Förderbandes  verschieben zu können, weil sie selbst in Engpässen stecken.

Haben Sie personell Anpassungen vornehmen müssen?

Es hat keine Freistellungen in der mk-Gruppe gegeben. Wir hatten Kurzarbeit mit einem Grad von 50 Prozent angekündigt. Dieses Ausmaß haben wir aber nicht ausschöpfen müssen. Einige Produktionsbereiche sind sogar voll ausgelastet. Im Schnitt lag die Kurzarbeitsquote bei uns zwischen 25 und 30 Prozent. 

Haben Sie neue Produkte ins Portfolio genommen, um Produktionsrückgänge zum Beispiel im Automotive-Sektor aufzufangen?

Ein erstes – an Ende gescheitertes – Vorhaben zur Neuorientierung kam durch einem Aufruf des Bundesgesundheitsministeriums zur Produktion von Gesichtsmasken im eigenen Land zustande. Wir liefern Förderbänder an einen Produzenten solcher Masken und haben bei diesem angefragt, was eine komplette Maschine kosten würde. Wir hatten das Ziel, in Troisdorf-Bergheim selbst Masken zu produzieren. Das hätte drei Mitarbeiter bei uns ausgelastet, allerdings ohne dass wir wirklich etwas daran verdient hätten. Die Preise für Masken gingen mit der Zeit immer tiefer in den Keller. Dem Bundesgesundheitsministerium reichten am Ende die Mengen, die wir hätten produzieren können, nicht aus. Wir hatten uns über den VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V.) beworben. Am Ende ist überhaupt nur ein mittelständisches VDMA-Unternehmen zum Zuge gekommen. In der Auftragnehmer-Liste fanden sich am Ende viele obskure Anbieter, die selbst gar nicht Hersteller von Masken, sondern nur Zwischenhändler zum Beispiel für China-Ware sind. Für uns hat sich das Vorhaben dann zerschlagen.

Mit welchen Corona-bezogenen Produkten waren Sie denn erfolgreich?

Wir haben mit unserer Profiltechnik Spuckschutzsysteme an den Markt bringen können. Einer unserer Abnehmer ist ein Messebauer. Im eigenen Unternehmen haben wir Desinfektionsspender, die mit unseren Profilen ausgestattet sind. Wir haben mit unseren Profilen auch Hygieneschutzeinrichtungen für Schulen entwickelt. Allerdings gab es hier Finanzierungsprobleme.

Ein interessantes Projekt, an dem wir arbeiten, heißt „cleanstage“. Dies ist ein mobiles Hygiene-Schleusen-Konzept für Hallen und Stadien. Vor den Eingängen stehen halbe Schiffscontainer. Darin finden eine berührungslose Handdesinfektion und eine automatische Messung der Köpertemperatur statt. Auch Spender für Schutzmasken und Handschuhe können integriert werden. Ebenso kann eine Behandlung mit zertifizierten virociden Mitteln integriert werden. Erst, wenn alles erledigt ist, gibt ein Drehkreuz den Zugang zur Halle und zum Stadion frei. An der Entwicklung und Produktion dieses Hygiene-Zugangssystems ist unser Tochterunternehmen mkf im thüringischen Lederhose maßgeblich beteiligt. Wir haben einen Prototyp gebaut und sind in intensiven Gesprächen mit Bundesliga-Fußball-Clubs und Sportverbänden, die auf der Suche nach Hygienekonzepten sind, um wieder Spiele mit Zuschauern durchführen zu können. Wenn das Konzept einschlägt, werden wir unsere Produktion sehr schnell über die vorhandenen Kapazitäten hinaus ausweiten müssen. Wenn zum Beispiel mein rot-weißer Lieblingsclub Hygiene-Schleusungen für eine ausreichende Zahl Zuschauer einsetzen wollte, würde er vermutlich mindestens zehn solcher Schleusen brauchen. Bei größeren Veranstaltungsorten – wie beispielsweise der Allianz-Arena – wären es eher noch mehr. Mit DFB und DFL tauschen wir uns daher bereits seit einigen Wochen über die Gesamtkonzeption und eine mögliche Testphase aus.

Kitz-Schleuse

Entwicklung der mk technology Group in Kooperation mit BOX MEISTERS und Hygienemarkt 24: die cleanstage für den automatischen hygienegerechten Zuschauereinlass in Stadien und Hallen.

Ein Blick auf die Zukunft nach Corona: Sie sprachen eben von Ihrer hohen Abhängigkeit vom Automotive-Sektor. Welche Zukunftstrends haben Sie denn darüber hinaus identifiziert?

Wir haben im Unternehmen eine Arbeitsgruppe, die sich mit Megatrends der Zukunft auseinandersetzt. Eins der Zukunftsfelder hatte ich bereits erwähnt: Urban Farming. Ein weiteres ist natürlich die E-Mobilität. Wir haben bereits am Bau der ersten Gigafactory in Nevada mitgearbeitet und inzwischen weitere Hochleistungs-Förderanlagen für andere Bauformate in der Batterieproduktion entwickelt, die wir beispielsweise auch bereits in Wolfsburg, Salzgitter oder Untertürkheim vorgestellt haben. Wenn es in den nächsten Jahren richtig in Gang kommt, kann ich mir daher auch vorstellen, dass wir ein eigenes Werk für diese Produktionen einrichten können.

Ihr Fazit?

Ich glaube, dass ein zweiter Lockdown für unser Land und unsere Wirtschaft nicht machbar sein wird. Ich bin froh, dass meine Mitarbeiter in dieser Lage mitziehen. Wir können finanzielle Einbußen, die sie durch Kurzarbeit erleben, nicht ausgleichen. Aber meine Mitarbeiter bekommen durch die Medien ja mit, wie schwierig die Lage allgemein ist. Allen ist bewusst: Im Vergleich zu anderen Branchen wie beispielsweise der Gastronomie stehen wir noch vergleichsweise gut da.

Interview: Christian Seigerschmidt, Carsten Seim (Pro Troisdorf e.V.)

Meldung vom 11.08.2020

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